Leitartikel

Aus dem Vollen schöpfen

Von Alexandra Grossmann · 2017

Wer das Leben genießt, ist auf der Sonnenseite. Kaum eine Fähigkeit bestimmt so sehr über unser Glücksempfinden , wie die, genießen zu können. Doch nicht jeder vermag den Moment zu genießen, oft fehlen uns Muße und Gelegenheit, oder wir erlauben sie uns nicht. Die gute Nachricht: Genießen kann man lernen.

Eine Frau genießt in einem Café ihren Kaffee.

Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee steigt uns in die Nase, wir beißen genüsslich in ein knuspriges, ofenwarmes Croi­ssant, wir stehen am Meer und schauen auf die tosende Brandung – wir genießen es, wenn unsere Sinne angesprochen werden. Genuss hat einen hohen Wert in unserem Leben, wir suchen ständig danach. Doch was ist überhaupt Genuss? Schwer zu sagen, da jeder von uns seine eigenen Vorstellungen davon hat, was er oder sie für schön oder genussvoll hält. Wer ein Fünf-Gänge-Menü besonders genießt, mag vielleicht keine besondere Freude an einem Butterbrot finden, während jemand anderes den Klang von einem Fahnenmast im Wind einem Klavierkonzert vorzieht. Was auch immer es ist, das uns Genuss bereitet: Wir alle empfinden die Wahrnehmung als positiv, sie löst körperlich und geistig angenehme Empfindungen aus. 

Im Detail wird es schwieriger: Genuss wird mit Themen wie Essen, Trinken, Urlaub und Natur assoziiert, doch das beste Essen kann uns nicht schmecken und der schönste Urlaub ein Reinfall sein. Denn Genuss ist eine Wahrnehmung der Sinne, doch es sind nicht immer alle fünf Sinne am Genießen beteiligt. Dazu kommen äußere Einflüsse und die innere Einstellung, die wir zu Dingen oder Situationen einnehmen. Wir müssen genießen wollen, um genießen zu können. Oft gönnen wir uns den Genuss nicht, wir müssen ihn uns erst verdient haben, bevor wir uns zurücklehnen und uns ihm hingeben. Wir müssen uns fallen lassen und konzentrieren können, es braucht eine gewisse Kraft, um negative Eindrücke wie Kälte, Lärm oder Stress beiseite zu schieben. Wenn wir es aber tun, gibt Genuss uns Freude und Kraft.

Quelle: DAK, 2017

Entspannen, Essen und Familie treffen

Eine genauere Untersuchung stellte kürzlich das Deutsche Institut für Ernährungspsychologie (IfE) vor, das im Auftrag des Unternehmens Lieferando die Studie „Was und wie genießt Deutschland 2017“ durchführte. Die Probanden beantworteten Fragen zu Genuss und Zufriedenheit, zu Ernährungsweisen und Lieblingsspeisen sowie zu Kochgewohnheiten. Zudem sollten sie alltäg­liche Tätigkeiten nach ihrem Genusswert bewerten. Entspannen und Ausruhen stand an erster Stelle, ergab die Studie. An zweiter Stelle stand zu Hause toll essen, an dritter Stelle, Zeit mit der Familie zu verbringen. Draußen etwas zu unternehmen stand auf Platz vier, und erst ganz am Schluss landeten Flirten, Liebe und Sexualität. Eine ältere Studie des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) kommt zu einem ähnlichen Ergebnis, hier verband die Mehrheit der Befragten Genuss mit Essen und Trinken, während Sex, Spaß und Gesundheit ganz am Ende der Vorlieben landeten. 

Bei diesen Ergebnissen wundert es nicht, dass besonders viele Menschen die Kombination aus Essen, Trinken und Kochen bevorzugen, am liebsten in Kreis von Familie und Freunden, und dass sie viel investieren in die Qualität ihrer Küchen und diese mit hochwertigen Geräten ausrüsten. Kein Wunder auch, dass die Deutschen so gern Kaffee trinken und den Moment genießen, ebenfalls idealerweise umgeben von ihren Lieben. Denn Zuhause, so die Studie des IfE, schmeckt es am besten, vor allem am Abend und an den Wochenenden. 

Genießer sind beliebt und lebensfroh

Weiteres Ergebnis der Studie: Wer sich als Genussmensch empfindet, ist zufriedener als jener, der es nicht tut. Genießer haben seltener ein schlechtes Gewissen beim Genießen, gönnen sich mehr und können besser kochen. Wer hingegen dem Genuss keinen Raum im Leben gibt, wer nicht aktiv genießt, ist weniger glücklich und weniger lebensfroh. So haben zum Beispiel Menschen mit Depressionen eine verminderte Genussfähigkeit und erlernen bei der Behandlung ihrer Krankheit, ihre Wahrnehmung zu schärfen und einen besseren Zugang zu ihren Bedürfnissen zu finden. Denn das ist die gute Nachricht: Genuss kann man lernen. Legen Sie einfach die Selbstbeschränkungen beiseite, gehen Sie hinaus in die Natur. Sportliche und vitale Aktivitäten schärfen die Sinne. Sparen Sie an nichts, schöpfen Sie aus dem Vollen. Und halten Sie es wie Oscar Wilde. Er soll gesagt haben: „Ich bete einfach alle Genüsse an. Sie sind die letzte Zuflucht komplizierter Menschen.“

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