Coffee-to-go: Mehrwegbecher vs. Einwegbecher

Besser als ihr Ruf

Von Jan Simon · 2017

Die Beliebtheit von „Coffee-to-go“-Bechern ist rapide gesunken, seit bekannt geworden ist, wie umweltschädlich die tägliche Flut von Wegwerf-Bechern ist. Umweltverbände rufen zu Boykotts auf, Kaffee-Ketten bieten Pfandsysteme und Städte verbieten Einwegbecher rundweg. Doch sind Mehrwegbecher wirklich besser?

Ein weggeworfener Coffee-to-go-Einwegbecher liegt auf der Straße. Das wäre mit einem Mehrwegbecher nicht passiert

In Deutschland haben „Coffee-To-Go“-Becher einen schlechten Ruf. Kein Wunder, verursachen die Einmalbehälter doch Umweltschäden in beträchtlichem Ausmaß: 320.000 Becher werden hierzulande jede Stunde verbraucht, schätzt die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Allein in Berlin sind es täglich 460.000 Stück, pro Jahr fast drei Milliarden, deutschlandweit 2,8 Milliarden. Sie füllen die Mülleimer der Städte und können nicht recycelt werden, weil sie, um fest zu bleiben und die Feuchtigkeit zu halten, von innen mit einer feinen Schicht aus Kunststoff ausgekleidet sind. 

Also haben Umweltverbände unisono Alarm geschlagen: Die DUH 2015 mit der Kampagne „Becherheld“, Robin Wood vergangenes Jahr mit der Aktion „Rächer der Becher – Wegwerfbecher stoppen“. Die Wirkung ging quer durch die Republik. Was vor einem Jahr noch hipp war, ist heute verpönt: wer mit einem „To-Go“-Becher in der Hand in der S-Bahn sitzt, gilt nun als so politisch unkorrekt wie jemand, der mit einem Diesel durch die Innenstadt fährt oder sein Pausenbrot in Alufolie wickelt. 

Coffee-to-go: Mehrweg, Pfandbecher und Rabatte

Nun wird bundesweit wird nach Alternativen gesucht. Die Deutsche Bahn etwa gibt Kunden einen Rabatt, wenn sie auf den Pappbecher verzichten. Die großen Player wie Starbucks und McDonalds tun dies ebenfalls – und bieten dabei auch gleich Mehrwegbecher zum Verkauf an. Start Ups bieten geschlossene Mehrwegsysteme an, etwa für Universitäten. München zum Beispiel hat den Einwegbecher kurzerhand verboten. Hamburg plant den „Kehrwieder-Becher“ und in Städten wie Freiburg entwickeln kleinere Bäckereien und Cafés eigene Pfandbecher-Systeme. 

Bei aller Heftigkeit gegen den Ex-und-hopp-Becher ist Skepsis angebracht. Zum Einen werden die Zahlen über Müllberge durch Einwegbecher meist nicht in Relation zu anderen Abfällen gesetzt. Verglichen mit den laut Statistischem Bundesamt jährlich anfallenden 46 Millionen Tonnen Haushaltsmüll schrumpft der Schrecken nämlich: Nur 0,9 Gramm wiegt der Anteil an „To-Go“-Bechern an einem Kilogramm Hausmüll. 

Sind Einwegbecher wirklich besser?

Sollte der Mehrwegbecher den Einwegbecher ersetzen, fallen sehr viel mehr Ressourcen an als bisher. Die Becher sind schwer, die Transportkosten steigen. Bei der Herstellung braucht es hohe Temperaturen. Und sie müssen sorgfältig mit heißem Wasser und Chemikalien gereinigt werden. Zudem warnen Kritiker vor hygienischen Problemen: „Durch einen mitgebrachten Mehrwegbecher kann die Verkeimung der dortigen Schankanlagen bzw. Kaffeemaschinen drohen,“ heißt es etwa beim Deutsche Kaffeeverband. Sogar die DUH schreibt in ihrem Positionspapier: „Seriöse und repräsentative Studien, die die Umweltauswirkungen von „Coffee-to-go“-Einwegbechern quantifizieren und bewerten, fehlen bislang.“

Es bleibt also, abzuwägen. Vielleicht ist der „Coffee-To-Go“-Becher gar nicht so schlecht wie sein Ruf. Und manch einer kann das warme, aromatische Getränk morgens auf dem Weg ins Büro wieder mehr genießen, ohne schlechtes Gewissen.

Wussten Sie schon, dass …

… die Finnen „Weltmeister“ im Kaffeetrinken sind, mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 12,7 kg Rohkaffee im Jahr. Pro Jahr und pro Person werden in Deutschland rund 160 Liter getrunken – circa 6,2 kg.

… die Kaffeepause bei der Post erfunden wurde? Um 1800 nutze man den Pferdewechselzu einer schnellen Tasse Kaffee. Blies der Postillion dreimal ins Horn, ging die Fahrt weiter.

… eine gewisse Melitta B. aus Dresden am 08.07.1908 das Patent für „Filtrirpapier“ eingereicht hat? Die Kaffeefiltertüte einschließlich des konisch geformten und geripptenKeramikfilters – erfunden 1936 – brachte der nach Minden/Westfalen umgezogenen Firma Weltruhm.

… Napoleon höchstselbst befahl, dass in der Grande Armee Kaffeemühlen im Gepäck zu führen seien? Auf vier Soldaten kam eine Mokkamühle.

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